• 18.4.2019

  • Ein Beitrag von PVS Südwest

GOÄ-Anwendung: Privatabrechnung der Stoßwellentherapie (ESWT)

Die privatärztliche Abrechnung der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) bei orthopädischen Indikationen erweist sich weiterhin als konfliktbehaftet.

Unbestritten aus heutiger Sicht sind zunächst einmal die grundsätzlichen Analogansätze bei der ESWT-Abrechnung. Danach kommt bei der radialen Stoßwellentherapie (r-ESWT) die Ziffer 302 GOÄ analog (250 Punkte) zum Ansatz; bei der fokussierten Stoßwellentherapie (f-ESWT) entsprechend die Ziffer 1800 GOÄ analog (1480 Punkte).

Anwendungsgebiete

Erste Probleme ergeben sich dann bereits aus der Frage, welche orthopädischen Indikationen die Voraussetzungen nach § 1 Abs. 2 GOÄ (medizinischen Notwendigkeit) für den ESWT-Einsatz erfüllen. Hier können Sie derzeit nur für folgende Fälle von einer generellen Anerkennung ausgehen:

  • Verkalkende Sehnenerkrankungen (Tendinosis calcarea)
  • Nicht heilende Knochenbrüche (Pseudarthrose)
  • Fersensporn (Fasziitis plantaris)
  • Therapieresistente Achillessehnenentzündung (therapiefraktäre Achillodynie)
  • Therapierefraktäre Epicondylitis humeri radialis (therapieresistenter „Tennisellenbogen“)


Tipp 1: Schließen Sie für alle anderen Krankheitsbilder mit Ihren Patienten eine Wunschleistungsvereinbarung. Dies gilt insbesondere für Beihilfeberechtigte und Versicherte der Postbeamtenkrankenkasse.

Einschränkungen

Des Weiteren sollten Sie bei der Abrechnung einige Regeln beachten, die rund um das Thema ESWT inzwischen als etabliert gelten können:

  • Eine Sonographie zur Ortung des Kalkherdes vor Durchführung der Stoßwellentherapie ist Bestandteil der Leistung und kann nur berechnet werden, wenn sie isoliert vor der (ersten) Behandlung erfolgt.
  • Die Auslösung von Schmerzen an den Triggerpunkten bzw. den Hauptschmerzpunkten ist Teil des therapeutischen Vorgehens. Eine Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) erfolgt daher in der Regel nicht.
  • Die Behandlung einer zweiten Körperstelle innerhalb einer Sitzung definiert keine zusätzliche Leistung, es sei denn, hierfür wird eine andere Therapie eingesetzt.


Tipp 2: Der Einsatz von Zuschlägen und Ziffernkombinationen insbesondere neben Ziffer 1800 GOÄ analog führt regelmäßig zur Ablehnung der Erstattung. Das gilt sowohl für die gleichzeitige Berechnung von Ziffer 302 GOÄ analog bei Behandlung der gleiche Körperstelle als auch für jeglichen Ansatz des Zuschlags nach Ziffer 445 GOÄ.

Empfehlungen

Aufgrund der genannten Einschränkungen können unterschiedliche Schwierigkeiten in der Behandlung nur durch unterschiedliche Steigerungsfaktoren in der Abrechnung abgebildet werden. Grundsätzlich empfiehlt sich dabei eine eher konservative Verteilung der Faktoransätze, die „marktübliche Preise“ berücksichtigt und Spielraum für tatsächlichen Mehraufwand lässt.

Darauf aufbauend gilt:

  • Die Ziffern 302 GOÄ analog und 1800 GOÄ analog sind pro Sitzung nur einmal abrechenbar.
  • Die Behandlung mehrerer Körperstellen in einer Sitzung mit der gleichen Therapie wird über einen höheren Steigerungsfaktor abgebildet.
  • Der zeitliche Abstand zwischen mehreren ESWT-Sitzungen sollte jeweils drei Tage betragen.
  • Pro Behandlungsfall werden max. vier Sitzungen anerkannt.


Tipp 3: Nehmen Sie unbedingt Ihre die Diagnose und die behandelten Körperstellen mit auf die Abrechnung und achten Sie dabei auf die korrekten lateinischen Bezeichnungen. Teilweise erfolgte keine Erstattung, wenn statt Tendinosis calcarea Tendinitis calcarea auf der Privatliquidation steht.

Ausblick

Wie der jüngste Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) zur Aufnahme extrakorporale Stoßwellentherapie zur Behandlung von Fersenschmerzen bei Fasciitis plantaris in den GKV-Katalog zeigt, ist die gesamte Gemengelage rund um die ESWT-Abrechnung in einem ständigen Wandlungsprozess begriffen.

Für eine zukünftig optimale GOÄ-Anwendung bedarf es daher, wie bisher auch, eines engen Zusammenwirkens der PVS Südwest mit den von ihr betreuten orthopädischen Praxen. Mit vertrauenswürdiger Fachkompetenz verfolgt die PVS Südwest diese Prozesse konsequent, interpretiert ihre Auswirkungen seriös und setzt sie zeitnah in die Abrechnungspraxis um.

 

So funktioniert Gebührenverordnung für Ärzte (GOÄ)

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